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Weickartshain
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Aus der Geschichte von Weickartshain

von Werner Zimmer (1969 in der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Männergesangverein Weickartshain)

"Ich Sybold von Winthusen, Wepener, bekenne vor mich und alle myn Erbin / daß ich recht und redelichin geluwen han Joachim von Sassen, Burger zu Grunenberg und sinen rechtin Lehins Erbin alle die Gude, die hernoch geschriebin steen / mit Namen den halben Zehinden zu Queckborn, / den halben Zehinden zu Luter, den halben Zehinden zu Wikandeshain / ein dritteil addir nie des Zehinden zu Burmingen ein dritteil des Zehinden Ittingeshusen / item den Haep zu Richelskirchen / und den Hoeb zu Nunrade in aller Maße als sin eldern gehabt han / ußgeschieden myn recht und myner Mannen Recht. Des zu Urkunde hanich myn eigen Ingeß an diesen Brieff gehangen."

Mit diesem noch in mittelhochdeutscher Sprache abgefassten Lebensbrief des Ritters Seibold von Windhausen am 26. September 1443, entnommen einer Urkunde des Staatsarchivs, tritt das Dorf Weickartshain erstmals vor den Spiegel der Geschichte. Das ist verhältnismäßig spät, wenn man die Nachbardörfer zum Vergleich heranzieht. Man darf daher nicht Aufklärung über eine Zeit erwarten, die vor 1443 liegt. Auch einige Jahrzehnte danach kann man sich nur in Vermutungen über die Verhältnisse in Weickartshain ergehen, da keinerlei sprachliches oder natürliches Denkmal aus jener Zeit vorhanden ist. Einzig und allein aus den Kirchenbüchern von Flensungen und Merlau sind einige Hinweise über die religiösen Zustände des Dörfchens bekannt. So sind vom Jahre 1634 bis 1875 alle Täuflinge, Brautleute und Verstorbene in den Kirchenbüchern von Merlau verzeichnet.

Das Jahr 1526, welches den Landgrafen Philipp von Hessen und seinen Klerus auf der Homberger Synode zusammenführte, ist auch für Weickartshain der Beginn der Reformation. Heiligenbilder und Rosenkränze waren nun in den engen und niedrigen Bauernstuben verpönt. Luthers Lehre durchsetzte das Sitten- und Geistesleben, und hatte in Philipp einen genialen Förderer und Gönner, der ganz in diesen Fußstapfen wandelte. So wurde auch in der obengenannten Synode der Grundstein für die hessische Schulordnung gelegt. Doch der unselige 30jährige Krieg machte das Werk der Jugendbildung zum Teil wieder zunichte.

Unser Dörfchen, das im Wald eingebettet und abseits der großen Heerstraßen lag, war bisher vom Krieg verschont geblieben. Doch das änderte sich, als in der letzten Hälfte dieses unbarmherzigen Ringens auch unsere Heimat in Mitleidenschaft gezogen wurde. Kaiserliche, schwedische, italienische und spanische Truppen durchzogen mordend und brandschatzend das Land. Was noch am Leben blieb, raffte der Schwarze Würgengel dahin. 1635 starben innerhalb eines Vierteljahres 42 Menschen in dem nur schwach bevölkerten Dörfchen an der Pest. Der Sage nach, blieben nur noch drei Frauen am Leben, die Leire, Bette und Kain, an die heute noch Flurnamen erinnern. Doch auch diese Leidenszeit ging zu Ende und neues Leben keimte aus Blut und Tränen.

Die Schüler unseres Ortes mussten im Sommer wie im Winter den Weg nach Flensungen in die Gemeinschaftsschule machen. Doch schon 1685 änderte sich das, als die Weickartshainer ihre 5-8jährigen einem eigenen Lehrer anvertrauten. Das hinderte aber nicht, weiterhin Schullasten an die Kirchspielschule zu leisten.

Diese doppelten Lasten wurden erst 1834, nachdem man einen kostspieligen Prozess in der Zeit von 1820 - 1829 verloren hatte, abgeschafft. Der Unterricht wurde bisher in den Wohnungen der jeweiligen Lehrer abgehalten, da das 1757 errichtete Schulhaus zum Hirten- und Armenhaus degradiert worden war.

Diesem Mangel half man 1837 durch den Ankauf einer Hofreite in Groß-Eichen ab. Nach dem Abbruch und der Wiedererstellung in Weickartshain, wurde aus dem Wohnhaus das neue Schulgebäude. Die Scheuer baute man 1840 a1s Leichenstube und Betsaal aus. Zwei Jahre später setzte man noch einen Glockenturm auf, und erst durch diese Erhöhung konnte man das Gebäude als Kirche ansprechen.

Ein weiterer großer Schritt, der 313 Seelen zählenden Gemeinde war 1825 der Entschluss, ihre Toten auf einem eigenen Gottesacker zur letzten Ruhe zu betten. Bisher musste man den weiten Weg zum Kirchspiel Flensungen machen. Man stelle sich bloß einmal eine solche Überführung über einen verwahrlosten Feldweg bei schlechtem Wetter und rauher Jahreszeit vor.

Im Mai 1930 wurde die alte evangelische Kirche abgerissen
Im Mai 1930 wurde die alte evangelische Kirche abgerissen

Die mündliche Tradition will wissen, dass die Vorkommnisse bei der Beerdigung der "Bärb" dem Fass den Boden ausgeschlagen hätten. Es war tiefer Winter. Nachbarn trugen ihre Leiche auf einer Bahre geschultert zur letzten Ruhe. Auf dem vereisten Graben, der kurz vor Flensungen quer über den "Sauweg" führte, stürzten die Träger, die Bahre fiel herunter und ging in Trümmer. Nach dieser Begebenheit war der Ruf nach einem eigenen Totenacker verständlich. Was diese Position Totenacker im Gemeindehaushalt bedeutete - durch die inneren und äußeren Wirren infolge der drei schlesischen, der Revolutions- und Freiheitskriege belastet - kann man sich denken.

Trotz all dieser Ausgaben war man aber bereit, noch ein Geläut für das Kirchlein zu kaufen. So wurde am 12. September 1842 zwischen Bürgermeister Trüller und der Glockengießerei Gebrüder Barthels und Mappes in Frankfurt ein Vertrag über die Lieferung einer 170 Pfund schweren Glocke geschlossen. Der Großherzogliche Schullehrer Walter von Lauter als Sachkundiger, und der Gemeindevorsteher als Zahlender, waren drei Tage unterwegs, um die 60 km weite Strecke nach Frankfurt zu bewältigen. Diese Reise kostete damals 9 Gulden. Fuhrmann Bräuning von Flensungen brachte dann das gelungene Werk mit nach Grünberg. Von dort hat sie der "Salzdörr" von Weickartshain, der mit seiner Schubkarre bepackt mit Butter in der Mainstadt war, voller Stolz in das Heimatdorf geschoben. Am 1. Adventssonntag rief die Glocke dann zum ersten Gottesdienst die Gemeinde zusammen. 1854 wurde eine zweite 216 Pfund schwere Glocke aus der Nachbarstadt Laubach für 158 Gulden erworben.

Aberglaube und Hexenwahn beherrschten auch die Menschen in unserem Ort, denn mancher Flurname und manche Sage beweisen es heute noch. In den Spinnstuben und anderen Zusammenkünften von Jungen und Alten wurden diese Schauermärchen zum Besten gegeben, und mancher ging wohl anschließend mit einer "Gänsehaut" versehen nach Hause. In dieser Zeit ist anscheinend auch der Spottname unseres Heimatortes entstanden.

Dieses hat sich folgendermaßen zugetragen:

In Lauter, beim Bingmüller, wurde das Getreide zu Mehl verarbeitet. Über den heute noch bestehenden Eselsweg transportierte man die Fracht auf den Rücken einiger Grautiere von Ortschaft zu Ortschaft. Einem dieser Lastenträger war es eines Tages zu heiß geworden, und er legte eine Rast an dem jetzt noch vorhandenen Höllersborn ein.

Leider wurde ihm das zum Verhängnis. In der Abenddämmerung wurde er von einem Sonntagsjäger als Hirsch verkannt und als stolze Trophäe abgeschossen. Welch eine Blamage für die Dorfbewohner, als diese Geschichte bekannt wurde. Überall ertönte nun der Ruf:

"ia Weckezah om Höllerschborn do leit en Hirsch, der hodt ke Hoarn, ia ia."

Der allgemeine Aufschwung und der Fortschritt der Technik machte sich auch allmählich im Dorfgeschehen bemerkbar. Ein neues Schulhaus 1906, der Bau und Anschluss der Wasserleitung an die Dieberg- Gruppe 1910-1911, legen davon Zeugnis ab.

Im Frühjahr 1921 hat man sich in der Gemeinde zum Bau einer elektrischen Lichtanlage im Anschluss an die Wölfersheimer Überlandzentrale entschlossen. Der Bau wurde im Laufe des Sommers ausgeführt und am 26. Januar 1922 wurde das Licht zum ersten Male eingeschaltet. Am 11. Mai 1930 wurde, die inzwischen baufällige Kirche abgerissen, und am 12. Juli 1931 der Grundstein in einem feierlichen Gottesdienste zum Bau eines neuen Gotteshaus gelegt, das man am 30. Oktober desselben Jahres einweihte.

Im Juli 1931 wurde der Grundstein für das neue Gotteshaus gelegt (Bild: Erich-Carl Arabin - Zur Verfügung gestellt von Karl- Georg Opper)
Im Juli 1931 wurde der Grundstein für das neue Gotteshaus gelegt
(Bild: Erich-Carl Arabin - Zur Verfügung gestellt von Karl- Georg Opper)

Schwer waren die Verluste an meist jungen wertvollen Menschen, die Weickartshain in den beiden Weltkriegen zu beklagen hatte. 19 Gefallene und in der Heimat Verstorbene im ersten, 27 Gefallene und Vermisste im zweiten Weltkrieg kehrten nicht in die Heimat zurück. Ihnen allen zu Ehren wurde am 2. Pfingstfeiertage, am 5. Juni 1922, das Gefallenendenkmal auf dem Friedhof eingeweiht. Erweitert wurde es 1957 mit den Namen der Einheimischen und den 21 Gefallenen und verstorbenen Neubürgern des zweiten Weltkrieges, die damit in der neuen Heimat ihrer Angehörigen eine würdige Gedenkstätte gefunden haben.

Nach 1945 sah sich unsere Gemeinde durch den Zuzug von Evakuierten und Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten, welches ein Ansteigen der Bevölkerung auf fast 710 Einwohner ergab, vor schier unlösbare Aufgaben gestellt. Die Beschaffung von Wohnräumen wurde zum Problem Nr. 1. Neues Bauland musste erschlossen und neue Straßen angelegt werden. Dank einer regen privaten Bautätigkeit (es wurden nach 1945 bis jetzt 46 Wohnhäuser neu erbaut) konnte die Wohnungsnot behoben werden.

Dazu kommen noch etliche Um- und Erweiterungsbauten. 8 alte Häuser wurden abgerissen und neu aufgebaut. Die Gemeinde erstellte ein 1- und 2-Familienhaus.

Schwerer Arbeit mussten sich die ersten Ansiedler von Weickartshain bei der Urbarmachung ihrer Felder unterziehen. Diese Arbeit hat im Laufe der Jahrhunderte nicht nachgelassen.

Eine Wüstung nach der anderen wurde urbar gemacht, ein sumpfiges Gelände nach dem anderen entwässert und in guten Wiesengrund verwandelt. Die Arbeit aber lohnte sich. Fortschritt reihte sich an Fortschritt.

Mit dem zwanzigsten Jahrhundert begann auch für Weickartshain der wirtschaftliche Aufstieg, und damit änderte sich auch die Struktur unserer Bevölkerung. Waren bis dahin Ackerbau und Viehzucht die einzigen Erwerbszweige der Bewohner, so änderte sich das mit dem Aufbau der Industrie und des Bergbaues in der näheren und weiteren Umgebung. Gar mancher Weickartshainer fand dadurch eine lohnende Beschäftigung. Hauptsächlich der Bergbau war für einige Jahrzehnte eine ergiebige Brotquelle. In der eigenen Gemarkung in Richtung Laubach, wurde das Erz im Tagebau gefördert.

Die „Eisenkaute", unter diesem Namen heute bekannt, dient jetzt nach der Stillegung, den Einheimischen als Freibad. Bäume, wildwucherndes Gestrüpp, dazwischen das blaue Quellwasser, geben dem ganzen Flecken am Waldrand einen romantischen Anblick. Im Ortsteil Seenbrücke erstreckte sich ebenfalls ein Tagebau bis vor den Nachbarort Stockhausen. Hier stand auch das Waschgebäude, wo das Erz aufbereitet und verladen wurde. Zeugen jener Zeit sind heute nur noch die mächtigen Schlammteiche, die von Kiefern und Weiden bewachsen als Wochenendgebiet aus den fruchtbaren Feldern aufragen.

Nachdem der Bau der Eisenbahn Mücke - Laubach - Hungen 1903 vollendet war, stand der Bevölkerung ein bequemer Weg in die Ferne offen. Täglich ratterte nun das Dampfross durch das Seenbachtal, um Güter und Personen von Ort zu Ort zu bringen. Nach der Stillegung 1958 denkt wohl noch mancher der alten Pendler etwas wehmütig an das ächzende, stoßende und zuckelnde Bimmelbähnchen zurück.

Die einklassige Schule erwies sich durch das stete Anwachsen der Schülerzahl als zu klein, und wurde nach anfänglichem Schichtunterricht durch einen Schulhausneubau 1957 erweitert. Inzwischen wird der neue Saal von einigen Vereinen und Vereinigungen benutzt, da durch den Bau der Mittelpunktschule in Grünberg die Oberklasse abgewandert ist.

Ein weiteres Problem wurde die Wasserversorgung. War bisher das Wasser nur in den heißen Sommermonaten knapp, so konnte man, durch die Menschenkonzentration in der Gemeinde bedingt, jetzt von einem Chaos sprechen. Mindestens 8 bis 9 Monate waren die Zapfstellen eine Attrappe und nur in den wasserreichen Wochen konnte man das köstliche Nass aus der Leitung erhalten. Zugeschüttete Brunnen wurden wieder ausgegraben und verwahrloste neu hergerichtet, um den Wasserbedarf in den Haushaltungen zu decken.

Für die Tiere holte man in Wasserfässern am Seenbach oder in der Eisenkaute den kühlenden Trank. Bis in die späten Abendstunden standen die Bewohner am Höllersbrunnen, wartend, bis sich wieder etwas Wasser gesammelt hatte, um einen Eimer Trinkwasser heimzutragen. Schließlich entschloss sich die Gemeindevertretung zum Neubau einer Anlage in der eigenen Gemarkung. Wünschelrutengänger sollten geeignete Stellen, die von unterirdischen Wasseradern durchzogen waren, feststellen. Leider erwies sich diese Kunst als enttäuschend. Oberhalb der Höllerswiesen, am Laubacher Weg, begann man eine Brunnenbohrung.

Als man bei einer beträchtlichen Tiefe immer noch kein Wasser hatte, brach man den Versuch ab. Eine zweite Ausschachtung machte man etwa 30 Meter von dem alten Höllersbrunnen entfernt. Wasser hatte man hier, aber leider nicht in dem Maße, dass die Versorgung gewährleistet war. Schließlich hatte man auf der Seenbrücke hinter dem Schlammteich Erfolg. Hier entstand nun 1951 eine eigene Pumpstation, die das reichliche Nass zum Hochbehälter pumpt. Vielleicht denkt mancher ältere Einwohner noch an diese trockene Zeit zurück, wenn er heute den Wasserhahn aufdreht und das Wasser wie selbstverständlich durch die Behälter fließen lässt.

Im Zuge der Feldbereinigung 1949/50/51 wurde auch die Sportplatzumlegung vorgenommen. Hatte sich bisher der Spielbetrieb auf dem entfernten oberen Schlammteich abgespielt, so konnte man jetzt die Fußballspiele auf dem neu entstandenen Platz direkt am Dorfrande bewundern. In denselben Jahren kanalisierte man auch das Unterdorf.

Dank einer tüchtigen und weitschauenden Ortsverwaltung, hat das Dorf auch in den nächsten Jahren Fortschritte im Ausbau und in der Modernisierung gemacht. Das Oberdorf und der Ortsteil Seenbrücke wurden 1961/62 kanalisiert. 1962 baute man ein neues Feuerwehrgerätehaus, an das man eine Gemeinschaftsgefrieranlage mit 42 Fächern angliederte. 1963/64 wurden sämtliche Ortsstraßen mit einer Teerdecke versehen und Bürgersteige angelegt. Ein Feuerwehrauto und andere Geräte schaffte man 1965 zur Brandbekämpfung an. Mit der Dorfverschönerung, an der man im Jahre 1965 zum ersten Mal teilnahm, entstand unterhalb des Sportplatzes ein Kinderspielplatz mit einer Rollschuhbahn. Hier baute auch der Fußballclub 1964 in Eigenhilfe ein Heim mit Dusche und Umkleidekabinen für die Sportler. Weiterhin erweiterte man 1966 den Friedhof und erstellte eine Leichenhalle. Der alte und neue Gottesacker wurde mit einer neuen lebenden Umzäunung 1967 umgeben. Außerdem betonierte man mit Hilfe des grünen Planes 1400 Meter Feldwege.

Wie schon erwähnt, nahm die Gemeinde auch an der Dorfverschönerung teil. Sie wurde 1964, 1965 und 1968 Bezirkssieger, und außerdem 1965 3. Landessieger. Durch die Teilnahme an diesem Wettbewerb hat sich die Gemeinde in ihrem Aussehen zu ihren Gunsten verändert. Blumen- und Grünanlagen, Ruhebänke, saubere Straßen und Höfe, neu verputzte Häuser und Fachwerkbauten bestimmen das Ortsbild, und vermitteln den Fremden, die in der letzten Zeit oft bei uns Ruhe und Erholung suchen, einen angenehmen Aufenthalt.

Keineswegs steht der Ortsteil Seenbrücke dem eigentlichen Dorfe an Sauberkeit und Fortschritt nach. Wo 1945 nur einige Häuser und der Bahnhof vorhanden waren, entstand eine kleine Ansiedlung für sich, die meistens von den Neubürgern gebaut und bewohnt wird. Fleiß und das Bestreben sich eine neue Heimat zu schaffen, brachten es auch zuwege, nach dem Ankauf und Umbau des ehemaligen Verwaltungsgebäudes des Bergwerkes, 1955/56 eine schmucke katholische Kirche, entstehen zu lassen. Das Gelände um das Gotteshaus wurde von der katholischen Gemeinde zu einem kleinen Park angelegt, in dem man einen Freialtar errichtete.

Trotz dieser Eigenständigkeit und der Entfernung vom Hauptdorf, besteht das Interesse an den gemeinsamen Problemen und dem Geschehen teilzunehmen. Viele ehemalige Neubürger sind im Gemeinderat, in Vorständen und in den einzelnen Vereinen aktiv und passiv beteiligt.

Gerade das Vereinsleben bestimmt das Bild unseres Ortes beträchtlich, da 14 Clubs, Vereine und Interessengemeinschaften vorhanden sind. Dies sind im einzelnen folgende: Obst- und Gartenbauverein, Fußballclub - an den eine Damenabteilung angegliedert ist, Schützenverein, Mandolinenclub, Kulturring, Freiwillige Feuerwehr, VdK, Rotes Kreuz, Landfrauenverein, Jugendclub, Bund der Vertriebenen, Verkehrsverein, Verein der alten Herren und Gesangverein.

Dieses beweist die Aktivität der zur Zeit 586 Einwohner zählenden Gemeinde. Leider hat sich die Einwohnerzahl seit 1945 wieder reduziert, oder normalisiert. Bedingt ist diese Abnahme in den 50er Jahren durch die Abwanderung der Einwohner wegen den schlechten Arbeitsverhältnissen in der Umgebung. Durch die Industrieansiedlung in der Nachbarschaft und auch im eigenen Ort könnte dieses Problem jetzt gelöst sein und dadurch eine konstante Einwohnerzahl gehalten, oder aber wieder gesteigert werden.

Wollen wir hoffen, dass es der Gemeindevertretung gelingt, die vorhandenen Betriebe zu halten und neue zu gewinnen, um für die Zukunft gute Steuereinnahmequellen zu besitzen, und für die Bevölkerung neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Werner Zimmer

(1969 in der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Männergesangverein Weickartshain)

Fortschreibung der Ortschronik bis heute

Die von Werner Zimmer in seinem Nachsatz zur „Geschichte von Weickartshain" so hoffnungsvoll geäußerten Worte bezüglich der Verantwortung der Gemeindevertretung für das Gemeinwohl des Dorfes, sollten schon wenig später der Geschichte angehören. Denn bereits im Februar 1970 wurde in einer Gemeindevertreter-Sitzung über den Zusammenschluss der Dörfer im Seenbachtal beraten. Im Mai 1970 wurde dann die diskutierte Zusammenlegung von Lardenbach, Klein-Eichen, Stockhausen und Weickartshain zur neuen Gemeinde „Seenbachtal" abgelehnt und im November des gleichen Jahres noch der freiwillige Zusammenschluss mit Grünberg beschlossen. Am 15. Dezember 1970 fand dann bei Karl Klös unter Leitung von Bürgermeister Theiß die letzte Gemeindevertreter-Sitzung der selbständigen Gemeinde Weickartshain statt. Damit war der größte Teil der Verantwortung an die Stadt Grünberg übergegangen und Weickartshain durch einen Ortsbeirat vertreten. In der Ortsbeirats-Sitzung vom 19. November 1971 werden neue Straßennamen für Weickartshain vorgeschlagen, Namen, die zum größten Teil angenommen, auch heute noch ihre Gültigkeit haben.

In der gleichen Sitzung sprach sich auch Willi Eckl entschieden gegen sie vom Magistrat der Stadt Grünberg vorgeschlagene Nutzung der „Eisenkaute" als Mülldeponie aus und erreichte es, dass bis Mitte 1973 das Gelände als Naherholungsgebiet „Weickartshainer Schweiz" umfunktioniert und somit in seiner heutigen Form erhalten bleiben konnte.

Der am 7. Juni 1969 zwischen dem Kulturring und der damals noch selbständigen Gemeinde Weickartshain geschlossene Pachtvertrag über die „Eisenkaute" wurde zum Jahresende 1975 von der Stadt Grünberg gekündigt und ein neuer Überlassungsvertrag abgeschlossen.

Im November 1973 mietet die Kirchengemeinde das neue Schulgebäude als Gemeindesaal an, das von der Kirche nach Schließung des Saales Rohn am 1. April 1978 auch den Weickartshainer Ortsvereinen für Übungszwecke zur Verfügung gestellt wurde.

Bei einer Ortsbeirats-Sitzung im November 1974 wird die Anlage eines Festplatzes beschlossen, die im Jahr 1976 begonnen werden.

1976 wird auch der Verkauf des Schulgebäudes beraten, der Erlös soll einem noch zu erstellenden Bürgerhauses zugeführt werden. Die Planungen für dieses Gebäude beginnen 1977 und am 13. Dezember 1980 wird das Dorfgemeinschaftshaus Weickartshain offiziell eingeweiht. Damit haben die Ortsvereine, die jahrelang mit Provisorien leben musste, wieder ein festes Domizil.

Dorfgemeinschaftshaus Weickartshain

Beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden" belegte Weickartshain 1983 den 2. Platz im Bezirk. 1987 siegte dann Weickartshain im Bezirksentscheid und nahm 1988 am Gebietsentscheid erfolgreich teil.

Höhepunkt des Dorfgeschehens war wohl das 1993 mit zahlreichen Veranstaltungen begangene 550-jährige Jubiläum der urkundlichen Ersterwähnung Weickartshains. Daran beteiligten sich alle Ortsvereine des jetzt 250 Haushalte und 630 Einwohner zählenden Dorfes aktiv.

Karl-Heinz Hartmann

(1994 in der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum des Männergesangverein Weickartshain)

 

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